Was gut ist

Wer ihn schon probiert hat, der wird zustimmen: der Prosciutto di San Daniele ist gut, ein besonderes Geschmackserlebnis. Ein Blick …

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Wer ihn schon probiert hat, der wird zustimmen: der Prosciutto di San Daniele ist gut, ein besonderes Geschmackserlebnis. Ein Blick in die Geschichte des Prosciutto di San Daniele zeigt: das ist keine ganz neue Erkenntnis, die aber immer noch unvermindert gilt.

Der Prosciutto di San Daniele war mit dem Ende der Vernenga 1984 sicher endgültig in der Moderne des späten 20 Jahrhunderts angekommen. Aber es gibt zahlreiche, viel ältere Spuren, die von den besonderen Qualitäten des Prosciutto zeugen.

Zum Beispiel in einer Handschrift des Arztes Geremia Simeoni. Der in der Mitte des 15 Jahrhunderts tätige Heilkundige war eigentlich kein Freund von Fleisch: er hielt es für zu schwer verdaulich. Eine Ausnahme machte er aber in der Handschrift De conservanda sanitate von 1453, die in der Bibliothek Guarneriana in San Daniele aufbewahrt wird. Hier stellte er klar, dass man von den „Hausschweinen … die mageren, gepökelten Teile als Vorspeise ruhig essen könne”! Der Mann wusste ganz offensichtlich auch schon, was gut ist.

Was wohl ebenso für die Teilnehmer des Konzils von Trient galt. Das Konzil fand rund hundert Jahre später in vier Sitzungsperioden zwischen 1545 und 1563 statt. Ein Dokument vom 1. Juli 1563 belegt, dass die versammelten Prälaten „dreissig Paar Schinken“ verzehrt hatten, die auf Mauleseln von San Daniele nach Trient gebracht worden waren. Zwölf der dreissig Schinken stellten ein Geschenk des Patriarchen von Aquileia dar, dem Oberhaupt des Patriarchats von Aquileia, eines kirchlichen Staats und Erzdiözese der katholischen Kirche. Diese lag hauptsächlich auf dem Gebiet der heutigen italienischen Region Friaul, wo auch San Daniele liegt. Der Patriarch wusste also nicht nur, was gut ist – sondern vermutlich auch, wie man damit für gute Stimmung sorgen kann.

Spätestens damit war der Prosciutto auf der historischen Bühne angekommen. Dort erfuhr er über 200 Jahre später eine Wertschätzung ganz eigener Art: Die Offiziere des napoleonischen Heeres nämlich, die am Ende des 18. Jahrhunderts auf Befehl von General Monge nach Friaul gekommen waren, hatten eine solche Vorliebe für den Prosciutto di San Daniele, das sie ihn zusammen mit anderen Schätzen, die in der bereits erwähnten Bibliothek Guarneriana aufbewahrt wurden, in großen Mengen plünderten. Ein großes Kompliment für den großen Prosciutto aus San Daniele – das aber sicherlich nicht bei allen in San Daniele willkommen war.

Wenn Sie Lust bekommen haben auf mehr Geschichte(n) rund um den Prosciutto di San Daniele, dann können Sie jetzt auf der italienischen Mutterseite des Consorzio noch weitere Anekdoten aus den Jahrhunderten nachlesen – natürlich auf deutsch! Aber auch hier werden wir uns immer wieder dieser Perspektive zuwenden.